DARC-Clubmeisterschaft 1999
Ein Rückblick aus Sicht des OV Goch - L06
Wir haben heute den 05.03.2000; genau genommen 00.15 UT und ich bin im DARC-UHF-VHF-Contest QRV. Nun fällt es mir siedend heiß ein, das ich Manfred, DK2OY zugesagt habe, einen Rückblick auf die CM99 aus Sicht des OV Goch-L06 für das DL-CJ zu schreiben. Hatte er mir nicht gesagt, daß am 06.03.2000 Redaktionsschluß sei?
Es ist eh nicht mehr viel zu tun, die Bedingungen sind schlecht und ich habe einen Voice-Keyer. Also habe ich nun genug Zeit, die Ereignisse des vergangenen Jahres niederzuschreiben.
Zum ersten CM-Treffen habe ich im Dezember 1998 eingeladen. Bereits nach kurzer Zeit sind sich alle Anwesenden einig, sich gemeinsam auf das Abenteuer Clubmeisterschaft 1999 einzulassen. Jeder CM-Contest wird angesprochen und grob geplant. Die bestehenden Mängel an dem vorhandenen Equipment kommen schnell zu Tage. Zur Abhilfe wird neben dem Clubabend ein weiterer wöchentlicher Bastelabend eingerichtet..
Mittlerweile sind wir von einem Haufen Individualisten zu einem Team zusammen gewachsen.
Ein Blick auf die einzelnen CM-Conteste mag dies verdeutlichen:
10m-Contest
Der 10m-Contest ist ein ganz besonderer Kurz-Contest. Normalerweise werden solche Conteste aus Bequemlichkeit vom eigenen Shack mitgemacht. Da die meisten Home-Standorte aber keine gute VHF-Lage besitzen, fallen die Ergebnisse entsprechend schlecht aus. Mehr als 300 CM-Punkte kommen da nicht zusammen. Also haben wir uns entschlossen, möglichst viele Stationen portabel aufzubauen. Der Aufwand ist natürlich nicht unerheblich. Den längsten Einsatz hat DL3EBM mit DF1JM als Helfer. Für sie dauert der Kurz-Contest einschließlich An- und Abreise von 04.30 Uhr bis um ca. 18.00 Uhr. Auch bei DL9ECA und DL1EJA sind zahlreiche Helfer zur Stelle. Alleine ist dieser Portabel-Betrieb im Januar nicht zu bewältigen. Das Ergebnis gibt uns Recht: 385 CM-Punkte werden unserem CM-Konto gutgeschrieben. Insgesamt sind 7 Stationen QRV; unterstützt von mindestens 10 weiteren YL´s und OM´s.
März-Contest
Der März-Contest ist eigentlich viel zu früh. Noch keine UKW-Portabel-Ausrüstung hat einen Test erfolgreich bestanden. So haben wir alle ein komisches Gefühl im Bauch, als es ernst wird. Unsere Auf- und Abbaucrews leisten volle Arbeit. Zu unserem Standort in JO31EO müssen immerhin 400m Gummikabel 5x10qmm verlegt werden. Alles steht unter dem Motto : „Es ist leider so, das in der Singel-OP-Klasse nur ein OP contesten darf; die erreichten Punkte gehen aber trotzdem auf das Konto des ganzen Teams„. Das Ergebnis kann sich wieder sehen lassen. Diesmal haben wir 394 Punkte erreicht. Trotzdem sind wir uns einig, daß das Endergebnis nur die Summe der besten vier Einzelergebnisse und nicht das Resultat konsequenter Teamarbeit ist.
Mai-Contest
Die Fehler vom März-Contest sind beseitigt. Das Team funktioniert bestens. Es macht ungeheuren Spaß, diesen Contest zu bestreiten. Die Teams haben sich gefestigt, jeder weiß was zu tun ist und das Equipment ist besser geworden. Entsprechend fällt das Ergebnis aus: 397 CM-Punkte.
CW-FD
Ein Reinfall; trotz riesigem Aufwand !! Zuviel ist manchmal eben auch nicht gut. Wir machen in OC und OB/QRP mit. Die beiden Standorte liegen nur 200m auseinander und werden von einem 60kVA-Aggregat versorgt. Zur QRP-Station wird ein Gummikabel 5x6qmm verlegt. Das bereits erwähnte 10qmm-Gummikabel wird für die Aufbauphase und die Nachtwache von Freitag auf Samstag verwendet. 3 Stunden vor Fieldday-Beginn wird das Aggregat gestartet und das 400m lange Kabel zum RWE-Anschluß eingerollt.
Bei der OC kommen jeweils ein 5el-Monobander für 10m, 15m, und 20m und ein 3-el für 40m in Aufbauhöhen von 30m aufwärts zum Einsatz. Zusätzlich sind noch jeweils zwei Dipole für 40m, 80m und 160m aufgebaut.
Bei der QB/QRP sieht es einfacher aus. Ein FB-33 auf einer 18m Arbeitsbühne und Dipole für 40m, 80m und 160m sind schon alles. Eigentlich soll die OB/QRP nur der Notnagel sein, wenn die OC nicht die mächtige Konkurrenz aus M15 schlagen kann. Es stellt sich schnell heraus, daß bei uns nichts, aber auch gar nichts, funktioniert. Wir kommen uns wie Greenhorns vor. DL0CS zeigt uns, wie der Hase läuft. Bei unserer OB/QRP geht es nicht besser. Mit magereren 240 CM-Punkten werden wir für diesen Aufwand belohnt. Trotzdem hat es mächtigen Spaß gemacht.
CW-WAE
Die WAEs sind die beiden Knackpunkte der CM. Es ist für unseren UKW-OV nicht möglich, mindestens vier gute Singel-OP Stationen zu aktivieren; schon gar nicht in CW. Also starten wir in der MS-Klasse. Die dafür notwendige Station existiert aber nur in unseren Gedanken. In Wirklichkeit gibt es nur eine grüne Wiese auf dem Gelände von DB6JG. Auf unseren Bastelabenden bzw. Bastelwochenenden schaffen wir Abhilfe (vorerst provisorisch). Material ist vorhanden; schließlich haben DB6JG und ich schon vor Jahren damit begonnen, entsprechende Masten und Antennen abzubauen und zu horten. In einem Kraftakt werden an einem Samstag für die beiden ersten Masten mit entsprechendem Maschinenaufwand ca. 37qm Beton gemischt. Drei Wochen später wird ein 30m Mast für den 5el-20m und den 3el-40m und ein 20m Mast für den 5el-15m aufgebaut. Dank unbürokratischer Hilfe eines Autokran-Unternehmens dauert diese Aktion nicht länger als zwei Stunden. Zwischendurch werden dann noch die Antennen aufgebaut, die 1250m Leerrohr (DN 60 und DN 100) samt Tiefbau verlegt und die Koax- und Steuerkabel eingezogen. Die eigentliche Station kann zwar auf Entstufen für jedes Band zurückgreifen, aber zu jeden Bandwechsel müssen die Antennenkabel umgeschraubt werden. Dadurch gehen schätzungsweise 2,5 Stunden verloren. Es läuft nicht so, wie wir es uns wünschen. Wir haben einfach noch viel zu wenig Erfahrung für diese richtigen Conteste. Unser Contest-QTH wird zum Wallfahrtsort des ganzen OV´s und der Umgebung. Nach 48 Stunden müssen wir einsehen, daß an unserem Provisorium noch viel zu verbessern ist. Aber immerhin kommen weitere 340 CM-Punkte zusammen. Wir haben begründete Hoffnung, dass wir das Desaster vom CW-FD vergessen können.
SSB-FD
Einen ganzen Abend haben wir für die Planung des SSB-FD´s benötigt. Am Ende steht der Entschluß, wieder in zwei Klassen zu starten. Diesmal aber in OB/QRP und in EK. Nach Analysen des CW-FD´s kommen wir zur Einsicht, daß wir im Juni alles falsch gemacht haben. Für die offene Klasse setzen wir neue Prioritäten. Schließlich sind fast alle FD-Teilnehmer portabel in EU. Damit zählen sie 4 Punkte; Feststationen in DX dagegen nur 2 Punkte. Nach diesen Vorgaben bauen wir die Station auf. Keine hoch-aufgebauten Antennen mit DX-Charakter, sondern steilstrahlende Antennen sind gefragt. Ein neuer Standort wird gesucht und gefunden. Nun sind wir für die nächsten Jahre auf einem Pionier-Brückenkopf am Rhein zu Hause. Die Antennen stehen quasi im Wasser. Das Ergebnis ist überwältigend: Klassensieger und damit 400 CM-Punkte.
Den EK-Aufbau bewältigt DF3KV in eigener Regie und bestreitet den Fieldday auch konsequenter Weise allein als OP. Besser als die 400 Punkte der OB/QRP kann er natürlich nicht sein.
SSB-WAE
Draußen an den Antennen hat sich nichts geändert. Nur im Shack stehen nun 5 vollständige Stationen zur Verfügung. Zum Bandwechsel braucht der OP nur einen Stuhl weiter rutschen. Das Problem ist diesmal das CT-Netzwerk. Welcher Contester, der schon einmal MS-Conteste mitgemacht hat, kennt es nicht? Aber Dank unserer DO-Lizenzen kommen wir ganz gut über die Runden. An DF0HQ kommen wir natürlich noch nicht vorbei. Aber wir können die Nervosität der Ilmenauer spüren; zuminstens meinen wir, sie spüren zu können.
Bei so viel Improvisation sind wir mit 384 CM-Punkten sehr zufrieden.
Oktober-Contest
Uns fehlen Stationen für 70cm und 23cm. Aber pünktlich zum Contestbeginn haben wir dank langer Nächte genügend Stationen in der Luft. Diesmal teilweise in getauschten Rollen. Die 2m-OP`s vom März- und Mai-Contest stehen nun teilweise zum Support zur Verfügung. Trotz Ausfällen gibt es 371 CM-Punkte.
Marconi-Contest
Nach den guten Ergebnissen vom 10m-, März-, Mai- und Oktober-Contest gibt es keine nennenswerten Aktionen. Der Marconi-Contest ist unser Streichergebnis in der Wertungsgruppe I. Im nachhinein ein fataler Fehler. Mit ein bis zwei Logs hätten wir den UKW-Pokal für uns entschieden. Aber hier liegt nicht das Interesse. Demzufolge hat niemand aus unserem Team daran gedacht.
x-Mas
Ein traditioneller Kurz-Contest. Mit Steilstrahlern kann man gut mithalten. Der Aufwand ist im Gegensatz zu den anderen CM-Contesten sehr gering.
Nun liegt das inoffizielle Endergebnis der CM99 vor. Wir werden als Clubmeister 1999 gehandelt. Es wird sich wohl nichts mehr daran ändern; der Vorsprung zu F36 ist zu groß. Die CM 1999 hat uns allen riesigen Spaß bereitet. Jeder aus unserem Team macht das, was er am besten kann. Dabei ist es nicht wichtig, ob er nun ein guter OP oder „nur„ ein guter Helfer ist. Wichtig ist, das alle am gleichen Strang ziehen.
Vom DV-Ruhrgebiet DF1QM ist uns auf der Herbst-Distriktsversammlung ein Fass Bier versprochen worden, falls wir CM 1999 werden. Zur geplanten CM-Feier wird es dann einen zünftigen Anstich geben.
Zu bemerken ist noch, daß nach 30 Jahren der Mietvertrag des Clubheimes nicht mehr verlängert wurde und wir die Gebäude bis Ende September 1999 verlassen mussten . Es war für keinen L06er eine Überlegung die CM abzubrechen. Statt dessen wurden zwei zusätzliche Wochenenden für den Auszug freigemacht. Mittlerweile haben wir ein neues Clubheim und warten auf besseres Wetter zum Antennenbau.
Für den OV-Goch, L06
Markus, DJ7EO